/governance · Long-Form

Vibe-Coding ohne Governance ist eine Demo. Mit Governance ist es ein Werkzeug.

Diese Seite erklaert das vollstaendige System hinter schollmayer.info. Sie ist auch die Vorlage fuer alle anderen aktiven Projekte.

Wer mit Claude Code anfaengt, hat schnell zwei Probleme. Erstens: Die Maschine produziert mehr Output als ein Mensch lesen kann. Zweitens: Ohne Prozess wird der Output nach drei Sprints unwartbar. Beide Probleme loest Governance — aber nur, wenn sie nicht als Buerokratie verstanden wird.

Der Aufbau hier ist einfach. Drei Schichten von Regeln, sieben Phasen pro Sprint, 16 thematische Personas, eine naechtliche Audit-Routine. Klingt nach Overhead — ist aber genau das Gegenteil. Es ist ein Werkzeug, das ein Einzelner schneller laufen laesst als ein Team von fuenf.

/04 · Das System dahinter

ABCDEFG

Warum Vibe-Coding nur mit Governance nachhaltig ist.

Claude Code ohne Prozess ist eine Demo. Mit Prozess ist es ein Werkzeug, mit dem ein Einzelner mehr leistet als ein 5er-Team. Klick eine Säule an — du siehst jeweils drei Absätze, ein echtes Beispiel und den Code-Schnipsel dahinter.

  • 01

    Drei Schichten Regeln

    Verhaltensregeln laufen in jeder Session. Prozessregeln im Sprint. Domain-Regeln nur, wenn die jeweilige Expertin aktiviert ist. Nichts wiegt den Kontext unnötig voll.

    ~30 Zeilen immer geladen · 100+ aktive Regeln

    Schicht 1 — Verhaltensregeln — sind 15 nicht verhandelbare Haltungsregeln. Kundenrolle, keine Annahmen, Hooks antizipieren, SOFORT-Lernen, Systemzeit prüfen. Die laufen via SessionStart-Hook in jeder Session mit — auch Ad-hoc, auch LaunchAgents, auch Quick-Fixes.

    Schicht 2 — Prozessregeln — sind ~25 Sprint-spezifische Regeln. Sprint-Zeremonien, Research-Enforcement, Roadmap-Sync, Backlog-Hygiene. Diese werden durch `/sprint-start` geladen, nicht automatisch.

    Schicht 3 — Domain-Regeln — sind an Experten-Personas gekoppelt. Design-Regeln laden nur, wenn UX/UI aktiviert ist. Infra-Regeln nur, wenn Infrastruktur-Experte im Team ist. Das hält den Kontext schlank und relevant.

    Beispiel

    Beispiel aus Sprint 194: Ein Tool-Reject-Incident führte zu Regel 101 — Commit/Push/Deploy IMMER autonom, NIE fragen. Der Lernzyklus war: Incident → Feedback-Eintrag → Regel-Routing (Schicht 1, weil in jeder Session relevant) → Hook-Anpassung. Keine Mail, keine TODO — direkter Eintrag in verhaltensregeln.md.

    memory/verhaltensregeln.md  # Schicht 1, auto-loaded
    memory/arbeitsregeln.md     # Schicht 2, via /sprint-start
    memory/experte-*.md         # Schicht 3, on-demand
  • 02

    Sieben Sprint-Phasen

    A Sprint-Ziel → B Ideation → C Konzept → D Bauen → E Review + Kunden-Abnahme → F Retro → G Übergabe. Keine Phase wird übersprungen. Jede hat eigene Marker und Gates.

    7 Phasen · Sprint-Stand auf /now

    Phase A verhandelt den Scope als Kunden-Vertrag: Scope-Tabelle, Deliverables, Abnahme-Kriterien. Ohne Scholly-Bestätigung kein Go. Phase B+C sind Plan+Konzept — bei visueller Arbeit obligatorisch mit Design-Gate.

    Phase D ist Execution mit SOFORT-Regel: Erkenntnisse werden im Moment ihres Entstehens in die zuständige Experten-Persona geschrieben, nicht am Sprint-Ende gesammelt. Das verhindert Lernverlust.

    Phase E hat eine STOPP-Pflicht: Kunden-Abnahme. Scholly sieht und bewertet das Ergebnis bevor Retro oder Backlog-Update. Bei Kritik wird sofort gefixt, nicht ins nächste Sprint geschoben.

    Phase F+G schließen den Sprint ab: Retro reflektiert, Personas werden aktualisiert, Backlog re-prioritisiert, offene Entscheidungen dokumentiert. GitHub-Backup ist der letzte technische Schritt — ohne Push ist die Session nicht abgeschlossen.

    Beispiel

    Welche Phase aktuell läuft, steht auf /now — dort ist die einzige Live-Stelle. Hier unten zeigt die Timeline einen Beispiel-Sprint im Ablauf, damit man die 7 Phasen visuell versteht.

    /sprint-start   → Phase A
    /sprint-review  → Phase E + Kunden-Abnahme
    /sprint-retro   → Phase F + G
  • 03

    16 Experten-Personas

    DevOps, QA, Frontend-Dev, Backend-Dev, Content-Stratege, Visual Designer, Infografik-Designer, UX-Researcher, Buchhaltung, Steuerberater … Jede mit eigener Weiterbildung alle 15 Sprints.

    Pflicht-Aktivierung pro Sprint

    Jede Persona ist ein Markdown-File mit Frontmatter (last_research, next_research_due, Skill-Level) und Body (Patterns, Anti-Patterns, Cross-Projekt-Learnings). Die Persona wird in Phase A aktiviert — dann liest Claude das File und verhält sich entsprechend.

    Alle 15 Sprints läuft ein Research-Zyklus pro Persona: WebSearch + Primär-Quellen + Integration ins Memory. Ein LaunchAgent (com.cowork.experten-research) zieht nightly fällige Personas — blockiert nie den Sprint-Start.

    Cross-Experten-Briefings in Phase A sind Pflicht bei 2+ Personas: Frontend-Dev teilt mit Backend, was für den anderen relevant ist. Das verhindert Silo-Denken und beschleunigt Konsens.

    Beispiel

    Beispiel: Der Visual Designer pflegt design-tokens.md (Single Source of Truth für alle Projekte). Wenn Frontend-Dev eine Farbe braucht, liest er dort — er darf keine neue Farbe erfinden. Diese Regel entstand aus einem Sprint-167-Incident wo zwei Projekte unterschiedliche Akzent-Limes hatten.

    memory/experte-visual-designer.md
    memory/experte-frontend-dev.md
    memory/experte-devops.md
    ...
  • 04

    Dream Engine

    Jede Nacht um 06:30 läuft ein Audit: Disk, Memory-Health, Backlog-Drift, Recovery-Readiness. Findings werden zu Backlog-Items. Keine Maintenance-Zettel, die liegen bleiben.

    LaunchAgent · 13 aktiv · 6 Phasen

    Dream Engine ist ein 6-Phasen LaunchAgent der nachts läuft — Disk-Audit, Memory-Health-Check, Backlog-Drift-Scan, Recovery-Note-Prüfung, Git-Backup-Check, Findings-Report. Jedes Finding landet automatisch als Backlog-Item.

    Regel 89 (Finding → Backlog-Item PFLICHT) macht das zum geschlossenen Zyklus: Jeder Fehler, jede Lücke, jede neue Technologie die nachts auffällt, wird nicht nur notiert sondern als geplantes Item. Kein Verlust.

    Der Morgen startet mit einem Telegram-Report: X Findings, Y kritisch, Z seit letzter Nacht neu. Scholly entscheidet beim Frühstück was in den nächsten Sprint rutscht.

    Beispiel

    Sprint 194 Incident: Dream Engine hat 5 uncommitted Code-Files in Production-Repos gefunden (nach 24h). Daraus entstand das Git-Status-Gate in /sprint-start: Auto-Commit+Push bei dirty Code-Repos — kein Scholly-Prompt nötig.

    com.cowork.dream-engine.plist   # 06:30 nightly
    ~/.claude/hooks/git-status-gate.sh  # auto-commit
Ein Sprint im Ablauf · Beispiel Aktueller Sprint auf /now →
  1. A

    Start

    Scope + Deliverables + Abnahme-Kriterien verhandeln

  2. B

    Ideen

    Anforderungen klären, Lösungsansätze skizzieren

  3. C

    Plan

    Dateien, Reihenfolge, Risiken, Design-Gate

  4. D

    Bauen

    Execution mit SOFORT-Regel — Erkenntnisse sofort in Personas

  5. E

    Review

    Debug, Refactor, Test, Deploy, Kunden-Abnahme (STOPP-Pflicht)

  6. F

    Retro

    Personas aktualisieren, Retro dokumentieren

  7. G

    Übergabe

    Backlog re-priorisieren, GitHub-Backup, Recovery-Note

/04 · G4 · Case-Studies

Register B · Proof

Drei Fehler. Drei Regeln. So entsteht das System — nicht aus Theorie, sondern aus dem was schiefgegangen ist.

  • Sprint 194 · 2026-04-08

    Incident

    Fünf uncommitted Files in Production.

    Dream Engine fand nachts fünf Code-Files in aktiven Production-Repos, die seit 24 Stunden uncommitted waren. Kein Backup, kein Review, kein Rollback-Pfad.

    Ursache: Kein Gate prüfte den Git-Status beim Sprint-Start. Wenn eine Session ohne Commit endete, blieb die Arbeit lokal und unsichtbar.

    Outcome

    Git-Status-Gate mit Auto-Commit + Push. Kein Scholly-Prompt, keine Rückfrage — dirty Repo → committet.

  • Sprint 173 · 2026-03-29

    Entkopplung

    Weiterbildung blockierte den Sprint-Start.

    Sprint-Start wartete synchron auf Research jeder überfälligen Persona. Bei 16 fälligen Experten bedeutete das 20+ Minuten Blockade bevor die eigentliche Arbeit begann.

    Ursache: Weiterbildungs-Regel war mit Phase A verdrahtet. Alle Experten mussten aktuell sein, bevor die erste Zeile Code geschrieben wurde.

    Outcome

    LaunchAgent nightly 04:15, pro Lauf ein Experte. Sprint-Start nur noch Status-Check — Weiterbildung läuft im Hintergrund.

  • Sprint 189 · 2026-04-06

    Regel-Geburt

    Keine verkleideten Scholly-Tasks.

    In der Kunden-Abnahme zeigte sich: Ein Item stand als „done“ im Backlog, obwohl der eigentliche Umsetzungsschritt auf Scholly warten musste. Autonomie-Illusion.

    Ursache: Digitale Scholly-Aktionen (Formulare, Accounts, Steuererklärung) wurden als Abhängigkeit markiert statt erledigt zu werden. Die Regel war unscharf.

    Outcome

    Regel 99: Digital lösbar = selbst lösen. Nur echte physische oder persönliche Aktionen dürfen als Scholly-Abhängigkeit markiert werden.

S

„Kein Sprint geht in Retro ohne Kunden-Abnahme. Kein Memory-Eintrag ohne Lernzyklus. Kein Plugin, das nicht vorher code-gelesen wurde."

02 · Warum so

Drei Erkenntnisse, die das System geformt haben.

Erkenntnis 01

Kontext-Tiers sparen mehr als Speed-Tricks.

Claude wird nicht schneller, wenn man ihm mehr Regeln gibt. Er wird schlauer, wenn er nur die Regeln liest, die im aktuellen Kontext relevant sind. Verhalten immer, Prozess im Sprint, Domain bei Bedarf — das hat den Output messbar verbessert.

Erkenntnis 02

Sprint-Phasen sind kein Theater.

Phase A bis G klingt nach Overhead. Ist aber das, was Wiederholungs-Sprints durch Kunden-Abnahme verhindert. Der Vertrag wird vor der Arbeit verhandelt, nicht danach. Das spart 1-2 Sprints pro Monat.

Erkenntnis 03

Personas sind Wissens-Container.

16 Personas sind nicht 16 Rollen. Es sind 16 fokussierte Wissens-Container — jede mit eigenem Research-Zyklus, eigenen Patterns, eigenen Anti-Patterns. Aktiviert wird, wer im Sprint gebraucht wird. Der Rest schweigt.

03 · Anti-Patterns

Was ich bewusst nicht mache — und warum.

  • Anti-Pattern 01

    Alles ins gleiche CLAUDE.md kippen.

    Verlockend, aber faulig. Nach 5.000 Zeilen liest Claude nichts mehr richtig — die wichtigen Regeln gehen unter. Schichten + on-demand-Loading sind die Loesung.

  • Anti-Pattern 02

    Sprint = Ad-hoc-Arbeit.

    Wer keinen Scope-Vertrag macht, baut um den heissen Brei. Phase A erzwingt die unbequeme Frage „wann genau ist der Sprint fertig?" — bevor Code geschrieben wird.

  • Anti-Pattern 03

    Findings im Kopf behalten.

    Jedes nicht aufgeschriebene Finding ist verlorenes Wissen. Regel 89 macht das zur Pflicht: jeder Bug, jede Idee, jede Luecke wird sofort Backlog-Item.

  • Anti-Pattern 04

    „Ich frag den Kunden mal kurz."

    Was digital loesbar ist, loest der Agent selbst (Regel 99). Scholly wird nur fuer Scope-Entscheidungen oder physische Aktionen gefragt. Das spart pro Sprint 5-10 unnoetige Rueckfragen.

04 · Was du mitnimmst

Drei konkrete Schritte, mit denen du selbst anfangen kannst.

  1. 01

    Trenne Verhalten von Prozess.

    Schreib zwei kurze Files: verhaltensregeln.md (was IMMER gilt) und arbeitsregeln.md (nur im Sprint). Schon 30 Minuten Arbeit, sofortiger Output-Sprung.

  2. 02

    Mach Phase A obligatorisch.

    Vor jeder Coding-Session: Scope-Tabelle, Deliverables, Abnahme-Kriterien. Ein einziges Markdown-File reicht. Kein Sprint ohne Vertrag.

  3. 03

    Persistier Findings sofort.

    Jeder Bug, jede Idee, jeder Lernmoment landet sofort in einem Backlog-File. Nicht „spaeter", sondern jetzt. Drei Sprints spaeter wirst du dir selbst danken.