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Editorial · Perspektiven auf KI & Arbeit

Wie entsteht Vertrauen, wenn Menschen mit KI arbeiten?

Torsten Schollmayer

Vertrauen beginnt für mich damit, dass jeder weiß, was der andere zugesagt hat und worauf er sich verlassen kann. Commitment-Based Management hilft, solche Zusagen konkret zu machen.

Eine durchsichtige Glasplatte verbindet zwei Messingstützen auf einer dunklen Fläche.
Die sichtbare Verbindung zwischen den Stützen steht für eine klare Vereinbarung zwischen zwei Menschen.

Stell dir vor, eine Kollegin schickt dir einen Text und schreibt dazu, die KI habe ihn schon vorbereitet. Du sollst ihn an einen Kunden weitergeben. Ob sie den Inhalt geprüft hat oder ob das deine Aufgabe ist, hat bisher niemand gesagt. Bevor du den Text verwendest, musst du wissen, was sie dir da übergibt.

Über die Zusage sprechen

„Der Text ist fertig“ kann vieles heißen. Vielleicht ist eine erste Fassung gemeint. Vielleicht hat jemand die Angaben mit den aktuellen Unterlagen abgeglichen, und der Text kann so zum Kunden. Versteht deine Kollegin unter „fertig“ etwas anderes als du, planst du deine nächsten Schritte auf einer falschen Grundlage.

Ich arbeite dafür mit Commitment-Based Management. Eine Person sagt einer anderen zu, ein bestimmtes Ergebnis bis zu einem vereinbarten Zeitpunkt zu liefern. Beide verstehen dasselbe darunter. Vor der Zusage sprechen sie darüber, was dafür erfüllt sein muss.

Im Beispiel könnte die Kollegin zusagen, dir eine geprüfte Antwort auf die Kundenfrage zu schicken. Dann klärst du mit ihr, welche Angaben sie prüft und was du selbst entscheidest. Kann sie nur einen ersten Entwurf liefern, sagt sie das. Du planst deine Arbeit dann entsprechend.

So wird die Zusage konkret

  1. Das Ergebnis benennen

    Du sagst, welches Ergebnis du wem bis wann lieferst. Was fertig heißt, klärst du mit der anderen Person.

  2. Die Voraussetzungen ansprechen

    Du sagst, welche Informationen schon da sind und was du vor der Lieferung noch klären musst.

  3. Sagen, was beim anderen bleibt

    Die andere Person muss wissen, was sie verwenden kann und welche Fragen bei ihr bleiben.

Die Grafik greift die Übergabe einer Kundenantwort auf. Die Zusage gilt zwischen den beteiligten Menschen, auch wenn die KI am Text mitarbeitet.

Ein begründetes Nein muss möglich sein

Wer um eine Zusage gebeten wird, muss auch sagen können, dass es unter diesen Bedingungen nicht geht. Im Beispiel fehlen der Kollegin vielleicht aktuelle Angaben. Oder sie kann den Entwurf vorbereiten, die fachliche Prüfung aber nicht selbst leisten. Sagt sie das, lässt sich klären, wer die fehlende Arbeit übernimmt.

Wer um eine Zusage bittet, muss deshalb eine begründete Absage aushalten. Dann geht es darum, was für eine verlässliche Zusage noch fehlt. Vielleicht braucht die Kollegin noch eine Auskunft. Vielleicht ist der Termin nicht zu halten.

Für mich gehört es zur Führung, dass Menschen ihre Lage offen beschreiben können. Spricht jemand eine Schwierigkeit früh an, kannst du mit den Beteiligten handeln, solange noch Spielraum da ist. Dafür musst du verstehen wollen, was hinter der Rückmeldung steckt.

Änderungen mit den Beteiligten klären

Auch eine sorgfältig besprochene Zusage kann ins Wanken geraten, wenn sich die Voraussetzungen ändern. Vielleicht wird eine Angabe korrigiert, oder eine Auskunft kommt später. Wer zugesagt hat, sagt der anderen Person Bescheid, sobald er die Folgen erkennt.

Dann braucht es eine neue Vereinbarung. Einen Termin in einer Liste zu verschieben, reicht dafür nicht. Wer auf das Ergebnis wartet, muss wissen, was sich ändert und was das für die eigene Arbeit bedeutet. Im Beispiel geht es auch darum, ob der Kunde seine Antwort noch rechtzeitig bekommt.

Vertrauen entsteht für mich, wenn alle wissen, was noch gilt, weil jeder Änderungen früh anspricht. Wer früh von einer Änderung erfährt, kann seine nächsten Schritte anpassen.

Die KI arbeitet mit, Menschen stehen für die Zusage ein

Die KI kann einen Text vorbereiten und bei der Prüfung helfen. Ob der Inhalt zur Aufgabe passt und verwendet werden kann, verantwortet der Mensch, der ihn weitergibt. Deshalb muss eine Übergabe auch für jemanden verständlich sein, der die verwendete KI nicht kennt.

Ich will wissen, wofür ein Mensch einsteht und welche Fragen noch offen sind. Aus einer klaren Zusage kann ich ableiten, wie ich selbst weiterarbeite. Wenn Menschen so miteinander sprechen, bleibt auch nachvollziehbar, was die KI beigetragen hat.

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